5 Mythen über das Finden Deiner Leidenschaft

Bist Du auch auf der Suche nach DEINER Leidenschaft?

Falls nein, fang besser gar nicht an zu suchen!

Falls ja, hör besser auf damit!

Ja, richtig. Du solltest besser damit aufhören nach Deiner Leidenschaft zu suchen!

Versteh mich nicht falsch! Es ist nicht schlecht seine Leidenschaft zu finden.

Im Gegenteil.

Es ist super zu wissen, was Dich antreibt und wofür Du brennst. Und falls Du Deine Leidenschaft kennst und diese Leidenschaft mit Deiner Arbeit ausleben kannst umso besser. Aber für die meisten Menschen ist die Suche nach der Leidenschaft eine unmögliche Aufgabe, die sie frustriert und davon abhält einfach mal anzufangen.

Das Problem dabei ist nicht die Leidenschaft an sich, sondern die falschen Vorstellungen, die wir davon haben, was eine Leidenschaft eigentlich ist. Es gibt einige Mythen rund um das Finden und Leben von Leidenschaften. Und es sind diese Mythen, die es Dir unmöglich machen Deine Leidenschaft zu finden.

Mythos 1 – Die Leidenschaft zu finden ist wie Erleuchtung

Für die meisten Menschen ist Leidenschaft etwas was irgendwo da draußen ist und darauf wartet entdeckt zu werden. Viele stellen sich den Moment des Findens wie eine Erleuchtung vor. Blitzartige Erkenntnisse, begleitet von Lichterscheinungen und dann unglaubliche Klarheit über den weiteren Lebensweg.

Das ist natürlich vollkommener Blödsinn.

Vielleicht gibt es tatsächlich den einen oder anderen, der eine „göttliche“ Eingebung hatte und seitdem genau weiß, was die eigene Leidenschaft ist. Aber für die anderen Normalsterblichen wird das nicht passieren.

Und so stoßen sie bei ihrer Suche nach der Leidenschaft immer wieder auf Dinge, die sie gerne machen aber lehnen sie ab, weil sich das große Erleuchtungsgefühl nicht einstellt.

Merke: Deine Leidenschaft wird sich nicht durch Special Effects bemerkbar machen. Schau Dir stattdessen an, was Dir Spaß macht. Womit Du Dich häufig und gerne beschäftigt und entscheide Dich selbst dafür, was Deine Leidenschaften sind.

Sind!

Also Plural, denn:

Mythos 2 – Es gibt die EINE große Leidenschaft in Deinem Leben

Viele Suchende verzweifeln, weil sie nicht die EINE Leidenschaft finden können. Sie haben viele verschiedene Interessen und können sich nicht entscheiden.

Das muss aber auch gar nicht sein.

Nur eine einzige, große Leidenschaft zu haben mag vielleicht für einen Teil der Bevölkerung zu treffen. Die wissen dann aber meist schon recht früh was sie machen wollen. Z.B. wenn jemand bereits als Kind weiß, dass er Profisportler werden möchte und alles andere dafür unterordnet.  Schön für diese Menschen.

Aber ich glaube nicht an EINE große Leidenschaft. Ich selbst habe viele verschiedene Bereiche, die mich stark interessieren, unterschiedlichste Aktivitäten die mir Spaß machen und in die ich mich leidenschaftlich einbringe. Ich würde keine einzige dafür aufgeben, nur um EINE EINZIGE Sache zu tun.

Alleine der Gedanke daran macht mir Angst!

Falls Du ähnlich tickst, dann akzeptiere es einfach. Bloß weil jemand anderes nur eine Leidenschaft im Leben hat, heißt das noch lange nicht, dass Du nicht 5 oder 10 haben darfst. Du kannst sie kombinieren, gleichzeitig ausüben oder auch wieder aufgeben.

Ja, sogar aufgeben.

Denn nur weil Du eine Zeitlang für etwas gebrannt hast, heißt das noch lange nicht, dass Dein Interesse nicht irgendwann wieder erlöschen kann. Wenn das der Fall ist. Dann lass es sein und wende Dich etwas Neuem zu.

Fakt ist: Du bist vermutlich für viele Sachen leidenschaftlich und hast Spaß dabei. Auch wenn es sich nicht, wie die ultimative Leidenschaft anfühlt. Das muss es auch nicht.
Du kannst und musst ganz alleine darüber entscheiden, welchen Stellenwert diese Leidenschaften in Deinem Leben haben sollen.

Ein super Buch zu diesem Thema ist übrigens, „Du musst Dich nicht entscheiden, wenn Du 1000 Träume hast“ von Barbara Sher.

Mythos 3 – Mit Leidenschaft empfindest Du Arbeit nicht mehr als Arbeit

Oder anders formuliert: Tu was Du liebst und Du musst nie wieder arbeiten.

Hört sich gut an. Stimmt aber nicht ganz!

Sorry, dass ich Dich jetzt etwas enttäuschen muss, aber nur weil Du etwas leidenschaftlich machst bedeutet das nicht, dass Du gar nicht mehr arbeiten musst. Klar, solange Du nur Deine Leidenschaft ausübst magst Du diese nicht als Arbeit empfinden. Aber es gibt immer Tätigkeiten, die dazu gehören, die Du nicht magst und dennoch tun musst.

Ich habe großen Spaß an meiner Arbeit. Ich bin mit Leidenschaft dabei. Zumindest in manchen Bereichen meiner Tätigkeit. Andere Bereiche dagegen frustrieren mich. Ich sträube mich gegen manche Aufgaben, die zu meinem Business gehören. Ich prokrastiniere. Und ich mache sie dann letztlich nur, weil ich sie eben machen muss. Weil ich sonst andere Bereiche, die mir wirklich Spaß machen nicht ausüben kann oder meine Familie kein Essen auf den Tisch bekommt.

Die eigene Leidenschaft zu finden und zum Beruf zu machen ist sehr hilfreich für die große Motivation und Du wirst sicherlich mehr Spaß haben, als in einem normalen Job, der Dich nicht erfüllt. Aber es ist kein Ausweg, um nie wieder arbeiten zu müssen.

Tim von Earthcity beschreibt das wunderbar in seinem Beitrag, in dem er in Frage stellt, ob wirklich jeder ein digitales Nomadenleben führen möchte.

Mythos 4 – Wenn Du Deine Leidenschaft kennst wird jeder Tag großartig

Wäre doch eine tolle Formel:

Leidenschaft kennen = Keine Probleme mehr = Jeder Tag großartig

Ist aber nicht so.

Natürlich bist Du vermutlich überwiegend gut drauf, wenn Du Dich vor allem mit Dingen beschäftigst, die Dich begeistern. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass Du vor allen Problemen des Alltags gefeit bist, dass Du kritisiert wirst, dass Du auf Widerstände stößt.

Jeder hat mal einen schlechten Tag. Jeder hat mal Zeiten in denen er zweifelt. Und gerade, wenn Du versuchst mit etwas wofür Du brennst Geld zu verdienen wirst Du Dir Kritik deutlich stärker zu Herzen nehmen.

Leidenschaft ist nicht das Allheilmittel für ein besseres Leben.

Conni von Planetbackpack beschreibt z.B. in diesem Beitrag auf ihrem persönlichen Blog ihre Ängste. Davor ist niemand gefeit.

Mythos 5 – Deine Leidenschaft basiert auf Deinen Vorerfahrungen und Kenntnissen

Die meisten Suchenden verstehen Leidenschaft als eine Tätigkeit, die sie bereits ausüben, oder bereits ausgeübt haben und in der sie gut sind. Darum suchen wir nach Hinweisen und Informationen über Tätigkeiten, die wir ausgeführt haben, die uns Spaß machten und die wir irgendwie zu einem Puzzle zusammenfügen können, dass uns den Weg zeigt.

Wir versuchen also unsere Zukunft zu erschaffen indem wir unsere Vergangenheit betrachten. Es ist, wie wenn wir mit (eingetrockneten) Wasserfarben vor einer Leinwand sitzen und darauf warten, dass darauf ein Gemälde entsteht.

Dabei haben wir es selbst in der Hand unsere Zukunft zu gestalten. Es ist unsere Entscheidung was wir daraus machen. Du brauchst keine Vorerfahrung um einfach mal loszulegen. Du brauchst keine speziellen Kenntnisse um für etwas leidenschaftlich zu sein.

Holger von Zendepot ist eigentlich Arzt, aber betreibt dennoch einen Finanzblog. Ohne eine spezielle Ausbildung. Aber er ihn faszinierte das Thema, also wagte er sich daran.

Mythos 6 – Leidenschaft ist ein Endziel

Viele stellen sich das Finden der Leidenschaft als das eigentliche Ziel ihrer Reise vor. Wenn ich erst meine Leidenschaft gefunden habe, dann wird alles andere einfach. Aber die Leidenschaft ist nicht das Ziel. Leidenschaft ist der Weg. Du kannst leidenschaftlich sein, Deine Leidenschaft zu finden. Und wenn Du sie gefunden hast bist Du vollkommen perspektivlos, weil Du Dein Ziel erreicht hast und nicht weißt, wie es nun weitergehen soll.

Viel besser ist es Leidenschaft als den Weg anzusehen. Du setzt Dir ein großes Ziel, das Du erreichen willst. Die Art von Person, die Du sein möchtest. Und arbeitest dann leidenschaftlich am Erreichen dieses Ziels.

Anstelle nach Deiner Leidenschaft zu suchen probiere folgendes

Versuche nicht etwas zu finden, was irgendwo da draußen ist, sondern entscheide, wie Dein ideales Leben aussehen sollte. Dafür brauchst Du keine Leidenschaft. Leidenschaft stellt sich ganz von alleine ein, wenn Du Dinge tust, die Dir Spaß machen und Dich voran bringen.

Wenn Du Dich nicht entscheiden kannst, was Deine Leidenschaft ist, dann wähle einfach irgendetwas aus was Dir Spaß macht und fange damit an. Mach es von ganzen Herzen, versuche gut darin zu werden. Du wirst sehr schnell merken, ob es Dich erfüllt oder nicht und Du kannst unterwegs anpassen.

Markus Cerenak, wohl einer der bekanntesten Leidenschaftsblogger im deutschsprachigen Raum, fing einfach mal mit dem Bloggen an. Es war zunächst nur eine Idee, etwas was er ausprobieren wollte, dadurch entdeckte er eine ganz neue Leidenschaft und baute ein Business darum auf.

Eine ganz einfache Formel:

Mach mehr von dem was Dir Spaß macht und weniger von dem was Dich runter zieht.

Lass Dich nicht von der Suche nach Deiner Leidenschaft davon abhalten das Leben zu erschaffen von dem Du träumst.

Du hast es in der Hand. Es ist Dein Leben.

Lass mich doch wissen, ob Du dem einen oder anderen Mythos erlegen bist? Oder vielleicht bist Du ganz anderer Meinung und möchtest mir diese einmal gehörig sagen:)? Nur zu!

8 Antworten
  1. °°°Alex
    °°°Alex says:

    Sehr schön Sebastian, super wertvoll. Quasi die Aufklärung über Leidenschaft :)

    Ich hab ja selbst erst vor Kurzem einen Artikel über Leidenschaft geschrieben – jetzt kommt der Schleichwerbungsteil:
    http://ohrgasmic.com/wie-sich-leidenschaft-anfuehlt/
    Da hatte ich es überhaupt nicht von der Seite betrachtet – wenn ich Dir aber auch in allen Punkten voll zustimmen kann!

    Vor allem zum Punkt „Die eine Leidenschaft“ hab ich noch ne Ergänzung:
    Ich denke viele Leidenschaften sind total wertvoll, weil sie irgendwann zu etwas Neuem verschmelzen. Warum soll ich nur auflegen oder nur Schreiben, wenn ich bloggender DJ sein kann =) So in die Richtung . . .

    Sonnige Grüße aus Nbg

    Antworten
    • Sebastian
      Sebastian says:

      Hi Alex,

      der Ansatz viele Leidenschaften zu kombinieren und etwas neues zu kreieren ist natürlich super. Bloggender DJ klingt sehr spannend;)

      Und danke für Deinen Artikel. Ich kann das voll unterschreiben, wie es sich anfühlt, wenn man in (einer) seiner Leidenschaft(en) aufgeht.

      LG Sebastian

      Antworten
  2. Sarah Lorenz
    Sarah Lorenz says:

    Ich bin gerade durch Zufall auf deinen Blog und diesen Artikel gestoßen und muss sagen: Super!! Danke für diese doch teils ungewöhnliche Sichtweise. Ich sehe das genauso wie du, habe nun aber durch dich noch mehr den Anreiz weniger zu suchen und einfach mehr von dem zu tun, was mich glücklich macht. Danke! :)

    Antworten
    • Sebastian
      Sebastian says:

      Hi Sarah,

      freut mich, dass Du das genauso siehst!

      Wünsche Dir viel Erfolg und vor allem Spass dabei mehr von dem zu tun was Dich glücklich macht.

      LG Sebastian

      Antworten
  3. Tobias
    Tobias says:

    Toller Artikel Danke !
    Mir geht es ähnlich….
    Habe jetzt einfach mal mit einer kleinen Seite auf Facebook angefangen und blogge was mich interessiert 😉
    Ich hoffe es wird ein Erfolg.
    LG
    Tobias

    Antworten

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  1. […] glaube nicht daran (und Sebastian auch nicht). Ich denke, dass die Suche nach der Leidenschaft einen viel zu großen Druck aufbaut. Sie scheint […]

  2. […] P.S. einen sehr guten Beitrag zu den Mythen der Leidenschaft findest du auf sebastianprestele.de […]

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